Tagesgeld ist variabel verzinst und täglich verfügbar. Viele Banken locken Neukunden mit einem erhöhten Zins für einige Monate und fallen danach auf einen deutlich niedrigeren Bestandskundenzins zurück. Wer seine Erträge maximieren will, muss also nicht den höchsten Werbezins finden, sondern die beste Kombination aus Aktionszins, Aktionsdauer und Folgezins für den eigenen Anlagebetrag.
Aktionszins und Folgezins: Was die Banken bieten
Die folgende Übersicht zeigt die Konditionen, die wir zuletzt bei den Anbietern geprüft haben. Sie dienen hier als Rechengrundlage. Tagesgeldzinsen ändern sich laufend, die aktuellen Werte stehen in unserem Tagesgeld-Vergleich und beim Anbieter.
| Anbieter | Aktionszins | Dauer | Höchstbetrag Aktion | Zins danach |
|---|---|---|---|---|
| Consorsbank | 3,80 % p. a. | 5 Monate | 1.000.000 € | 1,00 % p. a. |
| Targobank | 3,25 % p. a. | 4 Monate | 1.000.000 € | 0,60 % p. a. |
| ING Extra-Konto | 3,50 % p. a. | 4 Monate | 250.000 € | 0,75 % p. a. |
| Postbank | derzeit keine Aktion, Neugeld-Aktionen nur in befristeten Zeitfenstern | 0,75 % p. a. | ||
| Volkswagen Bank | 3,75 % p. a. | 6 Monate | unbegrenzt | 1,00 % p. a. (online) |
| Renault Bank direkt | 3,50 % p. a. | 4 Monate (garantiert) | 250.000 € | 2,00 % p. a. (bis 250.000 €) |
Stand der Konditionen: Oktober 2026, laut Websites und Preisverzeichnissen der Anbieter. Folgezinsen variabel. Alle Angaben ohne Gewähr.
Was bringt ein Aktionszins übers ganze Jahr?
Der Vergleich wird erst aussagekräftig, wenn Sie den Ertrag über zwölf Monate rechnen. Dabei zählt jeder Monat: der Aktionszeitraum zum hohen Satz, der Rest des Jahres zum Folgezins.
Beispielrechnung (20.000 €, zwölf Monate, ohne Zinseszins, vor Steuern, gerundet):
ING: 4 Monate zu 3,50 % plus 8 Monate zu 0,75 % = 233,33 € + 100,00 € = 333,33 €
Consorsbank: 5 Monate zu 3,80 % plus 7 Monate zu 1,00 % = 316,67 € + 116,67 € = 433,33 €
Renault Bank direkt: 4 Monate zu 3,50 % plus 8 Monate zu 2,00 % = 233,33 € + 266,67 € = 500,00 €
Volkswagen Bank: 6 Monate zu 3,75 % plus 6 Monate zu 1,00 % = 375,00 € + 100,00 € = 475,00 €
Das Ergebnis überrascht: Das Angebot mit dem höchsten Werbezins landet nicht vorn. Ein hoher Folgezins schlägt einen höheren Aktionszins mit niedrigem Folgezins, wenn Sie danach nicht reagieren. Den Ausschlag geben Dauer der Aktion und Folgezins, nicht die erste Zahl.
Zinshopping: Aktionen nacheinander nutzen
Wer bereit ist, nach Ablauf einer Aktion zur nächsten Bank zu wechseln, verbindet die hohen Zinsphasen. Das nennt man Zinshopping. Die Konten sind kostenlos, ein neues Tagesgeldkonto ist online mit Video-Ident in wenigen Tagen eröffnet, und das Geld wird einfach über das Referenzkonto umgebucht.
Beispielrechnung (20.000 €, gerundet, vor Steuern): Sechs Monate Volkswagen Bank zu 3,75 % (375,00 €), danach fünf Monate Consorsbank zu 3,80 % (316,67 €), ein Monat Consorsbank-Folgezins zu 1,00 % (16,67 €). Ergebnis: 708,33 € im Jahr, gut 200 € mehr als das beste Einzelangebot ohne Wechsel (Renault Bank, 500 €). Voraussetzung ist, dass beide Aktionen zum Wechselzeitpunkt noch laufen.
So organisieren Sie das, ohne den Überblick zu verlieren:
- Enddatum notieren. Tragen Sie das Ende jeder Aktion sofort nach der Eröffnung in den Kalender ein, mit einer Erinnerung zwei Wochen vorher.
- Neukunden-Bedingungen lesen. Bei der Consorsbank gelten Sie als Neukunde, wenn Sie in den letzten sechs Monaten kein Tagesgeldkonto dort hatten, bei der ING und der Volkswagen Bank sind es zwölf Monate. Die Consorsbank eröffnet das Tagesgeld zusammen mit einem kostenlosen Depot.
- Zinsgarantie beachten. Ohne Garantie kann die Bank den Aktionszins jederzeit senken. Eine garantierte Aktion wie bei der Renault Bank (4 Monate) oder der Consorsbank (5 Monate) ist planbarer.
- Ein festes Referenzkonto nutzen. Alle Tagesgeldkonten auf dasselbe Girokonto beziehen, dann bleibt jede Umbuchung nachvollziehbar.
- Alte Konten aufräumen. Leere Konten schließen oder bewusst behalten, wenn Sie das Angebot nach Ablauf der Sperrfrist erneut nutzen wollen.
Ab welchem Betrag lohnt sich der Aufwand?
Den Mehrertrag eines Wechsels schätzen Sie mit einer einfachen Formel: Betrag × Zinsdifferenz × Monate / 12. Bei 5.000 € und 2,4 Prozentpunkten Vorsprung über sechs Monate sind das 60 €, bei 20.000 € schon 240 €. Rechnen Sie für eine Kontoeröffnung mit etwa einer halben Stunde. Ab einigen tausend Euro ist der Stundenlohn ordentlich, bei kleinen Beträgen reicht ein solides Konto mit gutem Dauerzins.
Bei sehr großen Beträgen kommen zwei Grenzen ins Spiel: der Höchstbetrag der Aktion (bei der ING und der Renault Bank 250.000 €) und die gesetzliche Einlagensicherung von 100.000 € pro Kunde und Bank. Über 100.000 € verteilen Sie das Geld deshalb ohnehin besser auf mehrere Institute. Wie die Sicherung funktioniert, erklärt der Artikel Einlagensicherung erklärt.
Spielt die Zinsgutschrift eine Rolle?
Banken schreiben Zinsen monatlich, vierteljährlich oder jährlich gut. Bei der Volkswagen Bank geschieht das monatlich, bei der Consorsbank vierteljährlich, bei der ING jährlich. Häufigere Gutschriften erzeugen Zinseszins, der Effekt ist aber klein.
Beispielrechnung: 20.000 € zu 3,00 % über ein Jahr ergeben bei jährlicher Gutschrift 600,00 €, bei monatlicher Gutschrift 608,32 €. Der Unterschied von gut 8 € ist nett, aber kein Grund, ein Angebot mit niedrigerem Zins zu wählen.
Wichtiger ist die Gutschrift beim Zinshopping: Wer Ende des Monats wechselt, sollte wissen, ob die Bank die aufgelaufenen Zinsen bei der Auflösung sofort gutschreibt. Bei vollständiger Kündigung des Kontos ist das üblich.
Steuern: Den Freibetrag richtig verteilen
Zinsen sind Kapitalerträge. Bis zum Sparerpauschbetrag von 1.000 € pro Person (2.000 € bei Zusammenveranlagung) bleiben sie steuerfrei, wenn die Bank einen Freistellungsauftrag hat. Darüber fallen 25 % Abgeltungsteuer plus 5,5 % Solidaritätszuschlag darauf an, zusammen 26,375 %, gegebenenfalls zuzüglich Kirchensteuer.
Beispielrechnung (angenommen 50.000 € ganzjährig zu 3,10 %, ohne Kirchensteuer): 1.550 € Zinsen, davon 1.000 € steuerfrei. Auf die übrigen 550 € fallen 145,06 € Steuern an, netto bleiben 1.404,94 €.
Beim Zinshopping gilt: Verteilen Sie den Freistellungsauftrag dorthin, wo die Zinsen anfallen, und verschieben Sie ihn beim Wechsel mit. Haben Sie bei der alten Bank zu viel freigestellt und bei der neuen zu wenig, zieht die neue Bank Steuer ab. Das Geld ist nicht verloren, Sie holen es über die Steuererklärung zurück, aber erst Monate später.
Bei Banken ohne deutsche Niederlassung gibt es keinen Freistellungsauftrag und keinen Steuerabzug. Sie tragen die Zinsen in die Anlage KAP ein. Die Einlagensicherung ist dort ebenfalls bis 100.000 € geregelt, aber über den Fonds des jeweiligen Landes. Mehr zur Besteuerung von Kapitalerträgen steht auf der Seite Abgeltungsteuer.
Wann Festgeld die bessere Wahl ist
Geld, das Sie sicher ein oder mehrere Jahre nicht brauchen, kann im Festgeld einen garantierten Zins erhalten. Der Vorteil: kein Wechselaufwand, keine Abhängigkeit vom nächsten Aktionsangebot. Der Nachteil: kein Zugriff vor Laufzeitende. Eine sinnvolle Aufteilung ist ein Notgroschen von drei bis sechs Monatsausgaben auf dem Tagesgeld und der Rest gestaffelt im Festgeld. Wie Sie die Laufzeiten wählen, erklärt der Artikel Festgeld-Laufzeiten, die Grundsatzentscheidung Tagesgeld oder Festgeld.
Fazit
Vergleichen Sie Tagesgeldangebote über den Jahresertrag, nicht über den Werbezins. Wer nicht wechseln will, fährt mit einem guten Dauerzins oft besser als mit einer kurzen Aktion. Wer wechselt, holt mit Kalender und sauber verteiltem Freistellungsauftrag spürbar mehr heraus, und das bei voller Einlagensicherung bis 100.000 € pro Bank.