Wie lesen Sie ein Kreditangebot richtig?
Jedes Kreditangebot enthält drei Zahlen, die Sie kennen müssen: den Sollzins, den effektiven Jahreszins und den Gesamtbetrag. Der Sollzins ist der Preis für das geliehene Geld pro Jahr. Der effektive Jahreszins rechnet alle Kosten ein, die Sie für den Kredit zwingend zahlen müssen, und berücksichtigt, dass Sie monatlich zahlen. Der Gesamtbetrag ist die Summe aller Raten, also das, was Sie am Ende tatsächlich zurückzahlen.
Beispielrechnung (gerundet): 10.000 Euro Nettodarlehen, 60 Monate, gebundener Sollzins 5,50 % p. a. Nach der Annuitätenformel ergibt sich eine Monatsrate von 191,01 €. Der Gesamtbetrag liegt bei 11.460,70 €, die Zinskosten also bei 1.460,70 €. Weil die Zinsen monatlich anfallen, beträgt der effektive Jahreszins 5,64 %, obwohl keine weiteren Gebühren anfallen.
Achten Sie außerdem auf den Zusatz „gebunden“: Beim klassischen Ratenkredit gilt der vereinbarte Zinssatz für die gesamte Laufzeit, die monatliche Rate bleibt also bis zur letzten Zahlung gleich. Den genauen Verlauf von Zins- und Tilgungsanteil zeigt ein Tilgungsplan, den Sie bei der Bank anfordern können. Bei Rahmenkrediten und beim Dispo ist der Zins dagegen variabel und kann jederzeit steigen.
Bearbeitungsgebühren gehören bei Verbraucherkrediten nicht mehr dazu: Der Bundesgerichtshof hat 2014 laufzeitunabhängige Bearbeitungsentgelte in Darlehensbedingungen für unwirksam erklärt. Sieht ein Angebot trotzdem eine Gebühr vor, sollten Sie es nicht unterschreiben.
Warum der beworbene Zins oft nicht Ihr Zins ist
Fast alle Ratenkredite sind bonitätsabhängig. Die Bank legt den Zinssatz erst nach der Prüfung von Einkommen, Ausgaben und Schufa des Kreditnehmers fest. Wer mit sicherem Einkommen und sauberer Schufa antritt, bekommt einen niedrigeren Zinssatz als jemand in der Probezeit. Damit Werbung trotzdem vergleichbar bleibt, schreibt die Preisangabenverordnung ein repräsentatives Beispiel vor: Mindestens zwei Drittel der Verträge, die die Bank aufgrund der Werbung erwartet, müssen zu dem dort genannten effektiven Jahreszins oder günstiger zustande kommen. Im Umkehrschluss zahlt bis zu ein Drittel der Kunden mehr. Ein „ab“-Zins ist dagegen nur der Bestwert, den kaum jemand bekommt.
Praktische Folge: Vergleichen Sie das repräsentative Beispiel, nicht den niedrigsten Wert in großer Schrift. Und holen Sie mehrere echte Konditionenangebote ein, bevor Sie sich festlegen. Eine Anfrage zu Kreditkonditionen ist für andere Banken unsichtbar und beeinflusst Ihren Schufa-Score nicht.
Welche Rate können Sie sich leisten?
Die Bank rechnet mit einer Haushaltsrechnung: Nettoeinkommen minus feste Ausgaben (Miete, Nebenkosten, Versicherungen, bestehende Raten, Unterhalt) minus eine Pauschale für den Lebensunterhalt. Was übrig bleibt, ist der Spielraum für die neue Rate. Machen Sie diese Rechnung vorher selbst und ehrlich, mit den tatsächlichen Werten aus Ihren Kontoauszügen der letzten drei Monate.
Als Faustregel sollte die neue Rate deutlich unter dem rechnerischen Spielraum liegen, damit eine Autoreparatur oder eine Nebenkostennachzahlung nicht sofort ins Minus führt. Wie stark die Laufzeit Rate und Kosten verschiebt, zeigt die folgende Rechnung.
| Laufzeit | Monatsrate | Zinskosten gesamt |
|---|---|---|
| 36 Monate | 301,96 € | 870,52 € |
| 60 Monate | 191,01 € | 1.460,70 € |
| 84 Monate | 143,70 € | 2.070,84 € |
Beispielrechnung: 10.000 €, gebundener Sollzins 5,50 % p. a., monatliche Annuität, gerundet. In der Praxis verlangen Banken für längere Laufzeiten oft zusätzlich einen höheren Zins.
Die Verlängerung von 36 auf 84 Monate halbiert die Rate fast, kostet aber rund 1.200 € mehr Zinsen. Wenn Sie unsicher sind, wählen Sie lieber eine mittlere Laufzeit mit kostenloser Sondertilgung. Dann können Sie schneller tilgen, sobald Geld übrig ist, ohne sich auf eine hohe Rate festzulegen.