Wertpapiere: Welche Formen gibt es?
Vom Klassiker Aktie über ETFs bis zu Zertifikaten und REITs: Wir erklären die wichtigsten Wertpapierarten, wie sie Erträge erzielen, welche Risiken sie tragen und welche sich für den Einstieg eignen.
Von der Redaktion konto.cc · Stand Oktober 2026 · Keine Anlageberatung
Sechs Wertpapierarten im Vergleich.
Aktien
Anteile an Unternehmen. Höchste Renditeerwartung, aber auch höchstes Schwankungsrisiko. Über Dividenden zusätzliche Einkommensquelle. Einzelaktien erfordern Zeit und Streuung über viele Titel.
Anleihen
Schuldverschreibungen von Staaten oder Unternehmen. Feste Zinszahlung, planbare Rückzahlung bei Fälligkeit. Bei steigenden Marktzinsen sinken die Kurse laufender Anleihen, bei fallenden steigen sie.
ETFs
Börsengehandelte Indexfonds. Niedrige Kosten von meist unter 0,3 % pro Jahr, breite Streuung über Hunderte bis Tausende Titel, ideal für den langfristigen Vermögensaufbau per Sparplan.
Aktive Fonds
Von Fondsmanagern gesteuerte Bündel aus Aktien, Anleihen oder Mischformen. Kosten von 1 bis 2 % pro Jahr plus Ausgabeaufschlag. Nur eine Minderheit schlägt nach Kosten den Vergleichsindex dauerhaft.
Zertifikate
Schuldverschreibungen einer Bank, deren Wert von einem Basiswert abhängt. Von kapitalgeschützten Varianten bis zu Hebelprodukten. Bei Pleite des Emittenten droht Totalverlust, keine Einlagensicherung.
REITs
Börsengehandelte Immobiliengesellschaften, die den Großteil ihrer Gewinne ausschütten müssen. Verbriefte Beteiligung an Immobilienportfolios mit meist hoher Dividendenrendite und Zinssensitivität.
Rendite, Risiko und Kosten im Vergleich.
Jede Wertpapierart kombiniert Ertragschance, Schwankung und Kosten auf eigene Weise. Die Tabelle zeigt typische Größenordnungen aus langen historischen Zeiträumen. Sie sind keine Prognose, geben aber ein Gefühl für die Verhältnisse.
| Wertpapier | Ertragsquelle | Langfristige Rendite p. a. | Schwankung | Laufende Kosten |
|---|---|---|---|---|
| Aktien (einzeln) | Kursgewinn, Dividende | stark streuend, einzelne Titel auch Totalverlust | sehr hoch | keine, nur Ordergebühren |
| Aktien-ETF (Welt) | Kursgewinn, Dividende | historisch rund 6 bis 8 % | hoch, Rückschläge von 30 bis 50 % möglich | 0,1 bis 0,3 % |
| Staatsanleihen (Euro, gute Bonität) | Zins | rund 1 bis 3 %, je nach Zinsniveau | niedrig bis mittel | 0,1 bis 0,2 % als ETF |
| Unternehmensanleihen | Zins | rund 2 bis 5 % | mittel | 0,1 bis 0,3 % als ETF |
| Aktiver Aktienfonds | Kursgewinn, Dividende | wie Markt abzüglich Kosten | hoch | 1 bis 2 % plus Ausgabeaufschlag |
| Zertifikate | je nach Konstruktion | stark abhängig vom Produkt | niedrig bis extrem | oft versteckt im Preis |
| REITs | Mieteinnahmen, Kursgewinn | rund 4 bis 7 % | hoch, zinssensitiv | 0,2 bis 0,5 % als ETF |
Die Faustregel: Je höher die erwartete Rendite, desto größer die zwischenzeitlichen Verluste, die Sie aushalten müssen. Aktien haben in jedem 15-Jahres-Zeitraum seit 1970 im Welt-Index positiv abgeschnitten, in einzelnen Jahren aber auch 40 % verloren. Wer das Geld in fünf Jahren braucht, sollte den Aktienanteil begrenzen.
Wie die einzelnen Wertpapiere funktionieren.
Aktien
Mit einer Aktie besitzen Sie einen Bruchteil eines Unternehmens. Sie verdienen auf zwei Wegen: über steigende Kurse, wenn das Unternehmen wächst oder der Markt es höher bewertet, und über Dividenden, die aus dem Gewinn ausgeschüttet werden. Das Risiko liegt im einzelnen Unternehmen. Geht es insolvent, ist die Aktie wertlos. Deshalb gehören Einzelaktien nur breit gestreut ins Depot, und das bedeutet mindestens 15 bis 20 Titel aus verschiedenen Branchen und Regionen.
Anleihen
Mit einer Anleihe leihen Sie einem Staat oder Unternehmen Geld und erhalten dafür einen festen Zins, den Kupon, sowie am Ende der Laufzeit den Nennwert zurück. Die Sicherheit hängt an der Bonität des Schuldners: Deutsche Bundesanleihen gelten als praktisch ausfallsicher, Hochzinsanleihen schwacher Unternehmen nicht. Während der Laufzeit schwankt der Kurs mit dem Marktzins. Steigen die Zinsen, verliert eine alte Anleihe mit niedrigem Kupon an Wert, wer bis zur Fälligkeit hält, bekommt trotzdem den Nennwert.
ETFs
Ein Exchange Traded Fund bildet einen Index nach, etwa den MSCI World, den DAX oder einen Anleihenindex. Er kauft entweder die enthaltenen Wertpapiere selbst (physische Replikation) oder bildet die Wertentwicklung über ein Tauschgeschäft mit einer Bank ab (synthetische Replikation). ETFs werden wie Aktien an der Börse gehandelt und sind als Sondervermögen vor einer Pleite des Anbieters geschützt. Die Kombination aus breiter Streuung, niedrigen Kosten und Sparplanfähigkeit macht sie zum Standardinstrument für Privatanleger. Wie Sie starten, erklärt der Ratgeber ETF-Sparplan starten.
Aktive Investmentfonds
Bei einem aktiven Fonds entscheidet ein Management, welche Titel gekauft werden, mit dem Ziel, den Vergleichsindex zu schlagen. Das kostet: 1 bis 2 % laufende Gebühren pro Jahr plus bis zu 5 % Ausgabeaufschlag beim Kauf über die Fondsgesellschaft. Über Zeiträume von zehn Jahren und mehr bleibt die große Mehrheit der aktiven Fonds nach Kosten hinter ihrem Index zurück. Sinnvoll können sie in Nischen sein, in denen kein guter ETF existiert.
Zertifikate
Zertifikate sind Schuldverschreibungen einer Bank, deren Rückzahlung von einem Basiswert abhängt, etwa einem Index, einer Aktie oder einem Rohstoff. Es gibt sie als Kapitalschutz-, Discount-, Bonus- und Hebelzertifikate. Zwei Risiken sind gemeinsam: Die Konstruktion ist oft schwer durchschaubar, und bei einer Insolvenz der ausgebenden Bank droht der Totalverlust, weil Zertifikate keine Sondervermögen sind. Für den Vermögensaufbau sind sie entbehrlich.
REITs
Real Estate Investment Trusts sind börsennotierte Immobiliengesellschaften, die mindestens 90 % ihres Gewinns ausschütten müssen und dafür auf Unternehmensebene steuerbefreit sind. Sie bieten einen liquiden Zugang zu Immobilien mit hoher Dividendenrendite, reagieren aber empfindlich auf steigende Zinsen. In einem Welt-ETF sind REITs bereits mit wenigen Prozent enthalten.
Für die meisten reicht ein ETF.
Ein breit gestreuter Welt-ETF wie auf den MSCI World oder FTSE All-World deckt 1.400 bis 4.000 Unternehmen aus Industrie- und teilweise Schwellenländern ab. Mit einer Position erreichen Sie eine Streuung, die Privatanleger über Einzelaktien praktisch nicht hinbekommen, bei laufenden Kosten von rund 0,2 % im Jahr.
Erst wenn Sie verstanden haben, warum dieser Welt-ETF für die meisten Anleger ausreicht, lohnt es sich, über Beimischungen wie Schwellenländer, Anleihen zur Dämpfung oder einzelne Aktien nachzudenken. Welche Broker ETFs am günstigsten handeln und besparen, zeigt der Depot-Vergleich, die steuerlichen Regeln der Beitrag zur Abgeltungsteuer.
Komplexere Produkte, höheres Risiko.
Hebelzertifikate, Optionsscheine und CFDs versprechen hohe Gewinne, führen bei Privatanlegern aber überwiegend zu Verlusten. Nach den Pflichtangaben der CFD-Anbieter verlieren je nach Broker 70 bis 85 % der Privatkunden Geld.
Beginnen Sie mit ETFs und Buy-and-Hold. Komplexere Produkte erst, wenn Sie deren Risikoprofil vollständig verstanden haben und einen Totalverlust der eingesetzten Summe verkraften könnten.
Häufige Fragen zu Wertpapieren
Was ist der Unterschied zwischen einem ETF und einem aktiven Fonds? +
Ein ETF bildet einen Index wie den MSCI World nach und verzichtet auf ein Management, das Titel auswählt. Deshalb kostet er meist 0,1 bis 0,3 % pro Jahr. Ein aktiver Fonds versucht, den Index durch Auswahl zu schlagen, und kostet dafür 1 bis 2 % jährlich. Langfristige Studien zeigen, dass die große Mehrheit der aktiven Fonds nach Kosten hinter dem Index zurückbleibt.
Sind Wertpapiere bei einer Bankpleite sicher? +
Ja. Wertpapiere im Depot sind Sondervermögen und gehören Ihnen, nicht der Bank. Sie werden bei einer Insolvenz auf ein anderes Depot übertragen. Ausnahme sind Zertifikate und Anleihen, die die Bank selbst herausgegeben hat: Sie sind Forderungen gegen die Bank und können ausfallen.
Wie viele verschiedene Wertpapiere brauche ich? +
Mit einem einzigen weltweit streuenden ETF sind Sie bereits in über 1.000 Unternehmen investiert. Mehr Positionen bringen keine zusätzliche Streuung, nur Aufwand. Einzelaktien sollten Sie höchstens als Beimischung halten und dann auf mindestens 15 bis 20 Titel aus verschiedenen Branchen und Ländern verteilen.
Was bedeutet Rendite nach Kosten? +
Die Rendite, die nach Abzug aller Gebühren bei Ihnen ankommt: laufende Fondskosten, Ordergebühren, Depotgebühren und Spread beim Kauf. Ein Prozentpunkt Kosten im Jahr kostet über 30 Jahre rund ein Viertel des Endvermögens. Deshalb sind Kosten das wichtigste Auswahlkriterium, das Sie selbst beeinflussen können.
Welche Wertpapiere eignen sich für Anfänger? +
Ein breit streuender Aktien-ETF per Sparplan, ergänzt um Tagesgeld als Reserve. Anleihen-ETFs können bei kürzerem Anlagehorizont die Schwankung dämpfen. Einzelaktien, Zertifikate und Hebelprodukte sind für den Einstieg ungeeignet, weil sie Fachwissen und laufende Aufmerksamkeit verlangen.