Ein ETF (Exchange Traded Fund) bildet einen Index nach, etwa den MSCI World mit rund 1.400 Unternehmen aus Industrieländern. Mit einem Sparplan kaufen Sie in festen Abständen für einen festen Betrag Anteile, unabhängig vom Kurs. Das Prinzip ist bewusst unspektakulär: breite Streuung, niedrige Kosten, langer Atem. Wer es einmal eingerichtet hat, muss sich jahrelang um nichts kümmern.
Schritt 1: Klären, was der Sparplan leisten soll
Bevor Sie ein Depot eröffnen, beantworten Sie drei Fragen. Erstens: Steht der Notgroschen von drei bis sechs Monatsausgaben auf einem Tagesgeldkonto? Geld im ETF ist Schwankungen ausgesetzt und sollte nicht kurzfristig gebraucht werden. Zweitens: Wie lange können Sie das Geld liegen lassen? Unter zehn Jahren Anlagehorizont steigt das Risiko, in einer Schwächephase verkaufen zu müssen. Drittens: Welche Sparrate halten Sie auch in teuren Monaten durch? Lieber 100 € jeden Monat als 300 € mit Pausen.
Schritt 2: Depot auswählen
Für einen Sparplan zählen vor allem vier Kriterien:
- Sparplankosten: Viele Broker führen Sparpläne auf gängige ETFs kostenlos aus. Andere verlangen 1,5 % der Rate oder eine Pauschale von 1 bis 2,50 €. Bei 100 € Rate macht ein Prozent Kosten über 20 Jahre mehrere Hundert Euro aus.
- ETF-Auswahl: Prüfen Sie, ob der gewünschte ETF sparplanfähig ist. Neobroker bieten meist über 2.000 ETFs, Direktbanken ähnlich viele, oft mit Aktionen einzelner Anbieter.
- Mindestrate und Intervalle: Ab 1 € bei Neobrokern, ab 25 € bei den meisten Direktbanken. Monatlich ist Standard, teilweise auch wöchentlich oder vierteljährlich.
- Steuereinfachheit: Deutsche Broker führen Abgeltungsteuer automatisch ab und verrechnen den Freistellungsauftrag. Bei ausländischen Brokern müssen Sie alles selbst in der Steuererklärung angeben.
Einen Überblick über Ordergebühren, Sparplankosten und Handelsplätze gibt unser Depot-Vergleich.
Schritt 3: Den ETF auswählen
Für den Einstieg reicht ein einziger, weltweit streuender ETF. Die Auswahl treffen Sie anhand weniger Merkmale:
| Merkmal | Worauf Sie achten | Empfehlung für Einsteiger |
|---|---|---|
| Index | Breite Streuung über Länder und Branchen | MSCI World, FTSE All-World oder MSCI ACWI |
| Kosten (TER) | Laufende Kosten pro Jahr | unter 0,25 % |
| Fondsgröße | Ab 500 Mio. € gilt ein ETF als etabliert | möglichst über 1 Mrd. € |
| Replikation | Physisch (kauft die Aktien) oder synthetisch (Tauschgeschäft) | physisch, der Einfachheit halber |
| Ertragsverwendung | Thesaurierend (wiederanlegend) oder ausschüttend | thesaurierend für langfristigen Aufbau |
| Fondsdomizil | Irland oder Luxemburg sind steuerlich günstig bei US-Dividenden | Irland |
| Alter | Mindestens drei Jahre Historie | ab fünf Jahren |
Der Unterschied zwischen MSCI World und FTSE All-World: Der FTSE All-World enthält zusätzlich Schwellenländer wie China, Indien oder Brasilien und deckt damit rund 90 % der weltweiten Marktkapitalisierung ab. Wer nur den MSCI World bespart, kann Schwellenländer über einen zweiten ETF beimischen, muss es aber nicht.
Schritt 4: Sparplan einrichten
- ETF im Broker suchen, am sichersten über die ISIN, die zwölfstellige Wertpapierkennnummer. Sie vermeiden damit Verwechslungen zwischen ausschüttender und thesaurierender Variante.
- Sparrate und Intervall festlegen. Monatlich zum 1. oder 15. ist üblich. Legen Sie die Ausführung einige Tage nach dem Gehaltseingang.
- Verrechnungskonto decken. Entweder per Dauerauftrag vom Girokonto oder per Lastschrift, die der Broker selbst einzieht.
- Freistellungsauftrag einrichten, damit Erträge bis 1.000 € (2.000 € bei Zusammenveranlagung) steuerfrei bleiben.
- Erste Ausführung prüfen. Nach der ersten Ausführung sehen Sie im Depot die gekauften Anteile, meist Bruchstücke mit vier Nachkommastellen.
Rechenbeispiel: 150 € monatlich über 20 Jahre ergeben 36.000 € Einzahlungen. Bei einer durchschnittlichen Rendite von 6 % pro Jahr, wie sie der MSCI World über lange Zeiträume historisch erreicht hat, wächst das Depot auf rund 69.000 € vor Steuern. Bei 4 % sind es etwa 55.000 €, bei 8 % rund 88.000 €. Die Rendite der Vergangenheit ist keine Garantie, zeigt aber, wie stark der Zinseszins über lange Zeiträume wirkt.
Schritt 5: Steuern verstehen
Erträge aus ETFs unterliegen der Abgeltungsteuer von 25 % zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer. Drei Besonderheiten sollten Sie kennen:
- Teilfreistellung: Bei Aktien-ETFs mit mindestens 51 % Aktienanteil bleiben 30 % der Erträge steuerfrei. Effektiv zahlen Sie also auf 70 % der Gewinne.
- Vorabpauschale: Bei thesaurierenden ETFs besteuert das Finanzamt jährlich einen fiktiven Mindestertrag, der aus dem Basiszins des Bundesfinanzministeriums berechnet wird. Der Broker bucht die Steuer Anfang des Jahres vom Verrechnungskonto ab, sie wird beim späteren Verkauf angerechnet.
- Sparer-Pauschbetrag: 1.000 € Erträge pro Jahr sind steuerfrei, bei Zusammenveranlagung 2.000 €. Ohne Freistellungsauftrag führt der Broker trotzdem Steuer ab, die Sie erst über die Steuererklärung zurückholen.
Mehr dazu in unserem Ratgeber zur Abgeltungsteuer.
Typische Fehler beim Start
- Zu viele ETFs: Fünf Themen-ETFs auf Wasserstoff, KI und Cannabis sind keine Streuung, sondern eine Wette. Ein Welt-ETF reicht.
- Auf den Kurs starren: Ein Sparplan lebt davon, dass Sie bei fallenden Kursen weiterkaufen. Wer in der ersten Korrektur stoppt, verschenkt den Vorteil.
- Ohne Notgroschen starten: Wer bei einer unerwarteten Ausgabe ETF-Anteile im Minus verkaufen muss, realisiert Verluste, die sich sonst ausgeglichen hätten.
- Den Freistellungsauftrag vergessen: Kostet keine Rendite, aber Liquidität und Aufwand in der Steuererklärung.
Fazit
Ein ETF-Sparplan ist in einer halben Stunde eingerichtet: Depot mit kostenlosen Sparplänen eröffnen, einen breit streuenden Welt-ETF per ISIN auswählen, Rate und Termin festlegen, Freistellungsauftrag setzen. Danach entscheidet nicht das Timing, sondern die Dauer. Welche Broker aktuell die günstigsten Bedingungen für Sparpläne bieten, zeigt unser ETF-Sparplan-Vergleich.