Der Dispositionskredit, kurz Dispo, ist ein Überziehungsrahmen auf dem Girokonto. Die Bank räumt ihn meist nach den ersten Gehaltseingängen ein, typischerweise in Höhe von zwei bis drei Nettogehältern. Er muss nicht beantragt, nicht begründet und nicht in Raten zurückgezahlt werden. Genau diese Bequemlichkeit macht ihn gefährlich: Viele Menschen rutschen hinein und kommen über Monate oder Jahre nicht mehr heraus.
Was der Dispo wirklich kostet
Dispozinsen liegen 2026 je nach Bank zwischen etwa 6,5 und 13 % pro Jahr. Sie werden taggenau auf den tatsächlich genutzten Betrag berechnet und vierteljährlich abgerechnet. Für ein kurzes Minus ist das günstig: 500 € für zehn Tage bei 10 % kosten rund 1,40 €. Problematisch wird es bei Dauer-Nutzung.
Rechenbeispiel: Ein Konto steht das ganze Jahr über im Schnitt mit 2.000 € im Minus. Bei 10,5 % Dispozins sind das 210 € Zinsen pro Jahr. Dieselben 2.000 € als Ratenkredit über 24 Monate zu 6 % effektiv kosten insgesamt rund 127 € Zinsen, und nach zwei Jahren ist das Minus weg. Beim Dispo bleibt es, und die Zinsen laufen weiter, in zehn Jahren über 2.000 €.
Noch teurer ist die geduldete Überziehung, also alles, was über den eingeräumten Rahmen hinausgeht. Viele Banken berechnen dafür einen Aufschlag von mehreren Prozentpunkten, und sie können jede Buchung ablehnen. Platzt dadurch eine Lastschrift, kommen Rücklastschriftgebühren und Mahnkosten des Zahlungsempfängers hinzu.
Woran Sie erkennen, dass der Dispo zum Problem wird
- Das Konto ist am Tag vor dem Gehaltseingang seit Monaten im Minus.
- Der Gehaltseingang hebt das Konto nur kurz über null, danach geht es wieder abwärts.
- Sie kennen den Zinssatz nicht und schauen die vierteljährliche Abrechnung nicht an.
- Sie überlegen, den Dispo erhöhen zu lassen, statt ihn abzubauen.
- Die Bank hat Ihnen ein Gespräch über Alternativen angeboten. Dazu ist sie gesetzlich verpflichtet, wenn Sie den Dispo über längere Zeit stark nutzen.
Fünf Wege aus dem Dauer-Dispo
- Umschulden in einen Ratenkredit. Der klassische Weg: Ein Ratenkredit in Höhe des Minus zu 5 bis 8 % effektiv ersetzt den Dispo. Die feste Rate zwingt zur Tilgung, die Zinsen sinken etwa um die Hälfte. Wichtig: den Dispo danach verringern oder ganz streichen lassen, sonst steht das Konto in sechs Monaten wieder im Minus und der Kredit läuft zusätzlich. Wie Sie einen laufenden Kredit günstig ablösen, steht im Ratgeber Ratenkredit ablösen.
- Rahmenkredit einrichten. Ein Abrufkredit bei einer Direktbank funktioniert wie ein Dispo, kostet aber meist 5 bis 9 %. Er ist flexibel und ersetzt den Dispo bei Menschen, die kurzfristige Schwankungen abfedern müssen, ohne feste Rate.
- Dispo stufenweise senken. Wer sich nicht traut, den Rahmen auf null zu setzen, lässt ihn alle drei Monate um 500 € kürzen. Die Grenze rückt näher, das Verhalten passt sich an.
- Notgroschen aufbauen. Das Minus entsteht meist, weil unregelmäßige Ausgaben (Versicherung, Reparatur, Urlaub) nicht eingeplant sind. Ein Tagesgeldkonto mit 100 bis 200 € monatlicher Sparrate fängt sie künftig ab. Wie, erklärt der Artikel Tagesgeld oder Festgeld.
- Bank wechseln. Liegt Ihr Dispozins über 11 %, lohnt der Vergleich. Direktbanken berechnen oft 6,5 bis 9 %. Der Kontowechsel ist gesetzlich geregelt und dauert wenige Wochen, siehe Girokonto wechseln.
Dispo, Rahmenkredit, Ratenkredit im Vergleich
| Merkmal | Dispokredit | Rahmenkredit | Ratenkredit |
|---|---|---|---|
| Zins 2026 (Spanne) | 6,5 bis 13 % | 5 bis 9 % | 4 bis 9 %, bonitätsabhängig |
| Rückzahlung | jederzeit, keine Pflicht | flexibel, meist Mindestrate | feste Monatsrate |
| Beantragung | automatisch mit Gehaltseingang | Antrag, Schufa-Prüfung | Antrag, Schufa-Prüfung |
| Geeignet für | wenige Tage Überbrückung | wiederkehrende kurze Engpässe | Ablösung eines Dauer-Minus, größere Anschaffungen |
| Risiko | Dauernutzung, Kündigung durch Bank | schleichende Dauernutzung | Rate muss durchgehalten werden |
Sonderfall: Kreditkarte mit Teilzahlung
Was für den Dispo gilt, gilt verschärft für Kreditkarten mit Revolving-Funktion. Wer die Monatsabrechnung nicht vollständig ausgleicht, zahlt auf den Rest oft 15 bis 22 % pro Jahr. Das ist der teuerste Verbraucherkredit, den Banken legal anbieten. Stellen Sie die Rückzahlung immer auf 100 %, Details im Ratgeber Kreditkarte oder Debitkarte.
Fazit
Der Dispo ist für wenige Tage im Monat ein faires Werkzeug und auf Dauer eine Zinsfalle. Wer länger als drei Monate am Stück im Minus steht, sollte umschulden, den Rahmen kürzen und einen Notgroschen aufbauen. Ein Ratenkredit halbiert die Zinskosten meist und beendet das Minus planbar. Aktuelle Konditionen zeigt unser Kreditvergleich.